Am 08.09.2025 fand beim PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband SH der Fachtag Allyship - Hinsehen statt Wegschauen statt. Der Fachtag wurde von Dr. Julia Trinh vom Büro der Landeszuwanderungsbeauftragten in Kooperation mit dem Landesnetzwerk Migrantenorganisationen (LaNeMo SH) organisiert.
Das Ziel des Fachtags war es, Zivilcourage und Solidarität in der Gesellschaft zu stärken, denn insbesondere queere und zugewanderte Menschen erleben zunehmend Diskriminierung und Ausgrenzung. Allyship - also das "Verbündete*r-Sein" wurde als Konzept und konkretes Tool für mehr Verbindung, Gemeinschaft und Gerechtigkeit in Institutionen und im persönlichen Alltag diskutiert.
Nach einer Begrüßung durch Ivy Wollandt, fachliche Leitung im Bereich “Soziales” bei der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen in SH, und Oleg Pavlov, lokaler Vernetzer des LaNeMo SH vom Deutsch-Ukrainischen Verein in Schleswig-Holstein Rozmova e.V., Co-Organisator und Co-Moderator der Veranstaltung, begann der Fachtag mit eindringlichen Grußworten zweier Netzwerkpartner*innen:
Während Mamad Mohamad vom Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) auf den immensen Anstieg rechter Angriffe auf Menschen mit Migrationsgeschichte in Magdeburg, nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt 2024, hinwies und Allyship im Sinne des “Verantwortung-füreinander-Übernehmens” (auch wenn es unbequem wird) besprach, ging Felix Fischer vom Zentrum für Betroffene rechter Angriffe e.V. (ZEBRA) gezielt auf die Lage in Schleswig-Holstein ein: Auch hier ein deutlicher Anstieg rechter, rassistischer und antisemitischer Vorfälle zu verzeichnen und das Bedrohungsgefühl bei Diskriminierten durch die reaktionäre Debattenlage allgemein hoch. Allyship kann als eine Antwort auf den Anfang einer Bewegung rechter Raumnahmen eingesetzt werden.
Den Grundstein für die Workshop-Phase legte dann Ercan Carikci, Experte für rassismuskritische Organisationsentwicklung, mit seinem Input zu Allyship als Form und Praxis des Verbündet-Seins. Echtes Zuhören, Power-Sharing, und das Nutzen von Privilegien wurden als Mittel diskutiert, um ausgegrenzte Gruppen zu unterstützen und so Menschenfeindlichkeit durch solidarisches und gemeinschaftliches Handeln zu bekämpfen.
Im Workshop I “Hinsehen statt Wegschauen” mit dem LSBTIQ* Netzwerk für Mitarbeitende in Polizei, Justiz und Zoll sowie der Ordnungsbehörden in Schleswig-Holstein VelsPol SH, der Zentralen Ansprechstelle Antirassismus und Wertebeauftragte der Landespolizei und Dr. Julia Trinh vom Büro des Landeszuwanderungsbeauftragten, arbeiteten Migrant*innenselbstorganisationen, zivilgesellschaftliche Akteur*innen und Polizist*innen zu einer sehr konkreten Form des Allyship: Wie können von Diskriminierung Betroffene, aber auch Verbündete, bei Vorfällen Beweise sichern, damit Täter*innen zur Rechenschaft gezogen werden können? Ebenso wurden Handlungsmöglichkeiten im Falle institutioneller Gewalt bzw. Untätigkeit diskutiert, aber auch der weiterhin hohen Bedarf an Allianzen und gegenseitige awareness, z.B. in Bezug auf queere People of Color, oder allgemein BiPOC in Beratungsstellen der Polizei. Die Zentrale Ansprechstelle Antirassismus und Wertebeauftragte stellte Fortbildungsprogramme vor, an denen Landespolizist*innen freiwillig teilnehmen können, um sich im Bereich Werte, Antirassismus und Demokratieförderung in der Landespolizei fortzubilden.
Im Workshop II “Ich will doch nur helfen, aber…”, durchgeführt von Ercan Carikci, reflektierten die Teilnehmenden mit Sensibilisierungsübungen das eigene Verhalten - insbesondere Situationen, in denen gut gemeinte Hilfe ungewollt zu Grenzüberschreitungen führen kann. Im Anschluss wurde zunächst in kleineren Gruppen und dann gemeinsam im Plenum ein 12-Punkte Plan für Allyship in Organisationen erarbeitet.
Der Fachtag “Allyship - Hinsehen statt Wegschauen” hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Solidarität nicht nur als Haltung, sondern auch als konkretes Handeln zu verstehen. Durch die Mischung aus theoretischem Input, praktischen Übungen und gemeinsamer Reflexion erhielten die Teilnehmenden nicht nur neue Perspektiven, sondern auch konkrete Handlungsstrategien für ihren beruflichen, wie auch persönlichen Alltag.
Damit bot der Fachtag nicht nur Wissen, sondern auch Mut und Motivation, im eigenen Umfeld (beruflich oder privat) aktiv zu werden. Er hat verdeutlicht, dass Allyship ein fortlaufender Prozess ist, der Lernbereitschaft, Empathie und Übung erfordert - und dass jede*r im Alltag dazu beitragen kann, eine solidarischere und respektvollere Gesellschaft zu gestalten.








